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Geburtsvorbereitung mit dem „Inneren Team“

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Geburtsvorbereitung mit dem „Inneren Team“

Heute mal etwas aus der Psychologie-Ecke: ein Psychologe mit sehr guten Ansätzen ist Friedemann Schulz von Thun. Von ihm stammt auch das Konzept des „Inneren Teams“, das ich für ausgesprochen geeignet halte für beispielsweise Geburtsvorbereitung einer Schwangeren. Sei es die Eigenvorbereitung, die beraterische Vorbereitung oder auch beispielweise in Vorbereitung auf eine Folgegeburt nach einer traumatischen vorangegangenen Geburt. Und natürlich zu vielen anderen Gelegenheiten, die hier aber erstmal keine Rolle spielen sollen.

„Das Innere Team“

Die Umschreibung des „Inneren Teams“ erklärt ein Persönlichkeitsmodell des Menschen. Dabei stellen wir uns vor, dass der Mensch nicht ein starres Wesen ist – quasi wie ein Stück Ton, homogen und in einer einheit vorhanden. Vielmehr gibt es verschiedenste Anteile in einem, die gemeinschaftlich in veränderlichen Anteilen an Entscheidungsprozessen beteiligt sind. Man kann sich das wie einen Raum vorstellen (die Persönlichkeit, also die Gesamtheit), in dem verschiedene Leute stehen. Diese Leute sind unsere Anteile und repräsentieren Gedankenströmungen. So ist z.B. kein Mensch „Die Selbstbewusste“ oder „Die Ängstliche“, sondern trägt in sich viele verschiedene Anteile, wovon vielleicht die „Selbstbewusste“ oder die „Ängstliche“ nur die am stärksten Ausgeprägte ist.

Das Modell beinhaltet auch die Annahme, dass diese ganzen Anteile in einem unter einem Oberhaupt versammelt sind – auch „Ich“ genannt. Er ist quasi wie ein Teamleiter, hört alle Anteile an (aktiv oder passiv) und vermittelt dann nach eine Verhaltensstrategie.

Nun kann eine Teamsitzung dieser Anteile und dem Oberhaupt (dem „Ich“) so ablaufen, dass alle Anteile („Teammitglieder“) gehört werden und ihre Sorgen und Meinungen ernst genommen werden. Oder es können welche unterdrückt werden, andere im Stillen heimlich die Bemühungen des stärksten boykottieren usw.

Es ist also ratsam, um eine von allen „Teammitgliedern“ getragene Entscheidung zu fällen, alle Anteile anzuhören. Nur so lässt sich eine authentische, von einem selbst voll unterstütze Entscheidung treffen, die nicht von innen boykottiert wird. Und somit sehr kraftvoll sein kann.

Anwendungsgebiet Geburtsvorbereitung

Mit Geburtsvorbereitung ist in diesem Artikel vor allem die eigene, innere und emotionale Vorbereitung auf die Geburt gemeint. Im Laufe einer Schwangerschaft laufen verschiedene innere Prozesse ab, die meißt vom aktuellen Zustand gesteuert sind, die auf die innere Bereitschaft, ein Kind zu gebären hinsteuern. Im ersten Trimenon sind andere Prozesse aktuell als im dritten, sie bauen außerdem aufeinander auf.

Um das Ganze mal zu konkretisieren ein Beispiel:
Lena G. erwartet ihr zweites Kind. Die erste Geburt hat sie als traumatisch erlebt. Jetzt ist sie in der 25. Schwangerschaftswoche und traut sich erst allmählich an die Entscheidung heran, wie sie ihr zweites Kind auf die Welt bringen will.

Eigentlich ist sie der Meinung, dass eine natürliche Geburt das Beste ist. Aber sie hat Angst vor den Schmerzen und dem Kontrollverlust, wie sie es bei der ersten Geburt erlebt hat.

Lena ist hin und hergezogen zwischen ihren verschiedenen Anteilen. Es gibt „die Ängstliche“, die vor den zum jetztigen Zeitpunkt unausweichlich scheinenden Schmerzen auf sie zu kommen. Auch davor, die Kontrolle über sich zu verlieren und zum Beispiel wie während der ersten Geburt lautes Tönen nicht unterdrücken zu können. Hinter der „Ängstlichen“ versteckt sich auch „die Schamhafte“: sie fürchtet, dass ihre Laute lächerlich klingen und während der letzten Geburt, erinnert sie sich, wurden ihre Geräusche von ihrer Freundin, die dabei war, auch manchmal belacht. Es gibt „die Angepasste“, die glaubt, dass sie sich nicht so anstellen sollte – Kinderkriegen ist nuneinmal so, da muss man durch. Das ist der Preis dafür, Kinder zu haben. Und auch, dass die Art der Geburt ja nun nicht so eine große Rolle spielt – schließlich kommt es auf das Ergebnis an: Kind und Mutter sind wohlauf. Die „Natürliche“ setzt sich für die natürliche Geburt ein. Sie findet, Kinder sollten so geboren werden – schließlich ist es für die Mutter als auch das Kind das beste und gesündeste. Von den vielen Vorteilen weiß sie auch. Dahinter versteckt sich noch der Anteil „die Mutter“, die nur den bestmöglichen Start für ihr Kind möchte. Und es gibt auch die „Revolutionäre“, die sich nach dem Geburtserlebnis sehnt. Sie hat schon oft gehört, dass die Geburt das Schönste Ereignis im Leben einer Frau sein kann und wünscht sich, verlangt geradezu, dieses Erlebnis auch zu haben und die Stärke daraus mitzunehmen.

Wenn alle Anteile gesichtet und identifiziert werden, kann bereits ein Lösungsprozess in Lena G. eintreten. Sie weiß dann, was das für Anteile in ihr sind und sie kann auch ausmachen, wie stark diese Anteile jeweilig sind. Denn die Gewichtung der Teammitglieder ist natürlich nicht immer gleich. So kann sie schrittweise für sich ausmachen, welche Anteile in ihr am stärksten sind und vielleicht sogar zu einer Entscheidung finden. Damit ihre Entscheidung authentisch und stark ist, muss sie auch die schwächeren Anteile in ihr „befrieden“ – auch diese ernst nehmen und gegebenenfalls etwas in ihre Entscheidung einbauen (sei es auch nur eine innere Haltung), die auch diese Teile befriedigen, oder zumindest dafür sorgen, dass die Entscheidung des Inneren Teams nicht von diesen Anteilen boykottiert werden.

Nur dann ist sie in der Lage, eine solche Entscheidung durch schwierige Phasen zu tragen, zu verteidigen und durch zu ziehen. Beispielsweise während der Geburt selbst, wenn eventuell schmerzhafte Wehen dafür sorgen, dass sie aufgeben will. Sie ist dann eher in der Lage, an ihrer Entscheidung fest zu halten und Wege zu finden, wie sie trotzdem gut durch die Geburt kommt.

Weiterführendes:

Wikipedia über „das Innere Team“

Das Innere Team von Friedemann Schulz von Thun – Theoretische Darstellung und Praxistransfer

Das Innere Team in Aktion – Praktische Arbeit mit dem Modell

Habt ihr bereits Erfahrung damit gemacht? Vielleicht auch nicht in dem Bewusstsein, dass ein gewisser Herr Schulz von Thun das schon benannt hat (so ging es mir)? Könnt ihr euch das in der Praxis vorstellen?

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