Schlagwort-Archive: Körpersprache

Die stille Botschaft

Standard

Die großen Aussagen, die wir während der Begleitung von Frauen während ihrer Geburt machen wollen ist: du bist sicher, du bist umsorgt, du bist respektiert – ganz egal, wie die Begleitumstände aussagen. Viele Künste machen die Geburtsbegleitung aus, diese Aussagen einer gebärenden Frau zu vermitteln ist eine davon. Und ein großer Teilaspekt davon ist die Körpersprache und wie wir uns der Frau gegenüber nähern – eine stille Botschaft an sie in einer Situation, wo die Atmosphäre einer der wichtigsten Geburtshelferinnen ist.

Dabei ist es wichtig, dass man sich zu jeder Zeit bewusst ist, dass man zu dieser Zeit an diesem Ort anwesend ist nur aus dem einen Zweck: dieser Frau zur Verfügung zu stehen und ihr zu dienen, sodass sie ihr Kind auf diese Welt bringen kann. Und zwar ausschließlich so, wie es die Frau braucht. Man bietet sich und die eigenen Ressourcen jemandem dar. Es ist eine demütige Arbeit, die man tut.

Meine Körpersprache soll das spiegeln. Ich will mein Körperlevel unter dem der Frau halten, mich im Raum positionieren in einer Form, die meine Bereitschaft aktiv zu werden zeigt und zwar genau dann, wenn sie es möchte und bis dahin zurückhaltendes Abwarten bedeuten. Ich kann ihr Augenkontakt bieten, ein sicheres Lächeln ohne Mitleid aber mit Mitgefühl.

Um meine Körpersprache zu beherrschen ist es wichtig, sich der eigenen Stimmung bewusst zu werden, bevor man zu einer Frau kommt. Dazu kann sich jede andere Werkzeuge suchen. Ich mag es aber, kurz vorher einmal tief durchzuatmen und mit meinem Ausatmen mein Ego und Stimmung gehen zu lassen und leer und offen zu werden.

Auch die Beobachtung der eigenen Körpersprache kann hilfreich sein. Wann reagiere ich wie, wie fühle ich mich, wenn ich mich bewusst anders positioniere? Wie geht es mir, wenn andere Leute eine gewisse Haltung einnehmen? Versuch macht kluch.

Das ist übrigens ein Grund, weshalb ich nicht daran glaube, dass man Geburtsbegleitung hauptberuflich und auf Dauer machen kann/sollte. Es ist einfach sehr anstrengend und emotional absolut fordernd. Ich bin mir im Übrigen im Klaren darüber, dass das im Alltag nicht immer so zu handhaben ist. Aber hey: shoot for the stars!

Merkt man, dass ich wieder mal eine spirituelle Phase habe? ;)