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Die stille Botschaft

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Die großen Aussagen, die wir während der Begleitung von Frauen während ihrer Geburt machen wollen ist: du bist sicher, du bist umsorgt, du bist respektiert – ganz egal, wie die Begleitumstände aussagen. Viele Künste machen die Geburtsbegleitung aus, diese Aussagen einer gebärenden Frau zu vermitteln ist eine davon. Und ein großer Teilaspekt davon ist die Körpersprache und wie wir uns der Frau gegenüber nähern – eine stille Botschaft an sie in einer Situation, wo die Atmosphäre einer der wichtigsten Geburtshelferinnen ist.

Dabei ist es wichtig, dass man sich zu jeder Zeit bewusst ist, dass man zu dieser Zeit an diesem Ort anwesend ist nur aus dem einen Zweck: dieser Frau zur Verfügung zu stehen und ihr zu dienen, sodass sie ihr Kind auf diese Welt bringen kann. Und zwar ausschließlich so, wie es die Frau braucht. Man bietet sich und die eigenen Ressourcen jemandem dar. Es ist eine demütige Arbeit, die man tut.

Meine Körpersprache soll das spiegeln. Ich will mein Körperlevel unter dem der Frau halten, mich im Raum positionieren in einer Form, die meine Bereitschaft aktiv zu werden zeigt und zwar genau dann, wenn sie es möchte und bis dahin zurückhaltendes Abwarten bedeuten. Ich kann ihr Augenkontakt bieten, ein sicheres Lächeln ohne Mitleid aber mit Mitgefühl.

Um meine Körpersprache zu beherrschen ist es wichtig, sich der eigenen Stimmung bewusst zu werden, bevor man zu einer Frau kommt. Dazu kann sich jede andere Werkzeuge suchen. Ich mag es aber, kurz vorher einmal tief durchzuatmen und mit meinem Ausatmen mein Ego und Stimmung gehen zu lassen und leer und offen zu werden.

Auch die Beobachtung der eigenen Körpersprache kann hilfreich sein. Wann reagiere ich wie, wie fühle ich mich, wenn ich mich bewusst anders positioniere? Wie geht es mir, wenn andere Leute eine gewisse Haltung einnehmen? Versuch macht kluch.

Das ist übrigens ein Grund, weshalb ich nicht daran glaube, dass man Geburtsbegleitung hauptberuflich und auf Dauer machen kann/sollte. Es ist einfach sehr anstrengend und emotional absolut fordernd. Ich bin mir im Übrigen im Klaren darüber, dass das im Alltag nicht immer so zu handhaben ist. Aber hey: shoot for the stars!

Merkt man, dass ich wieder mal eine spirituelle Phase habe? ;)

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Die eigene Erfahrung am Steuer

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Gestern habe ich ein Youtube-Video einer Frau gesehen, deren Blog ich seit einiger Zeit verfolge. Sie hat ihre Tochter, ihr drittes Kind, zuhause allein in der Gebärwanne geboren (interessiert? Schaut mal hier: „Stand and Deliver„).

Während ich ihr zugeschaut hab wie ich sie ihre Geburt bearbeitet und Wehen veratmet, hab ich mich natürlich zurück versetzt in meine Geburten gefühlt. Mal davon abgesehen bleibt es ein fast unbegreifbares Wunder für mich, dass eine Frau ein Kind durch sich selbst aus die Welt bringen kann. Der Akt der Geburt bleibt für mich ein großes Naturereignis, begleitet von Staunen, Erfurcht und Demut.

Worauf ich aber hinaus will: während ich ihr zugeschaut habe, hatte ich das Bedürfnis danach ihr zu helfen. Sie zu retten, etwas was ihr die Arbeit erleichtert oder sie sogar für sie erledigt. Ich  merkte, wie ich während jeder Wehe mitfieberte und nach Anzeichen suchte, dass etwas nicht stimmt.

Das ist eine große Erkenntnis für mich.

Denn das ist vermutlich eine der Wurzeln, warum man als Geburtshelferin Unheil anrichten kann. Der Wunsch einzugreifen, zu helfen, zu erleichtern, abzuwenden. Das Schrillen falscher Alarmglocken und das Missverstehen der Nuancen dieses großen Naturschauspiels. Das fällt ja dem Menschen bekanntlich öfter mal schwer: zu verstehen, dass das eine existieren kann – genauso wie das andere, zeitgleich und gleichwürdig. Trotz Schmerz kann auch Freude, tiefe Berührung, Angst und Mut, Widerwille und Loslassen existieren.

Und dass man nicht das Recht hat, der Frau diese Erfahrungen zu stehlen oder abzuwenden. Es ist eine Gratwanderung zwischen Hilfe anbieten, aber nicht verunsichern und aufdrängen.

Diesen Grat zu begehen, darauf kommt es wohl an.

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Nächstes Buch: The Doula Book (engl.).

Zuerst einmal die Antwort auf die Frage „Was ist denn eine Doula?“. Eine Doula ist im üblichen Sinn eine Geburtsbegleiterin, die die rein menschlich-psychologische Betreuung übernimmt. Im amerikanischen Raum ist es üblich, dass die Hebammen vor allem das Medizinische übernehmen. Man engagiert dann oft noch eine Doula, die während der Geburt für alles Nicht-Medizinische zuständig ist: von Massagen über Ermutigungen bis hin zum Essen machen oder Kinder bespielen. Es gibt auch sogenannte Postpartum-Doulas, die dann die Wochenbettbetüddelung übernehmen – wie z.B. von Haushaltshilfen nach der Geburt bekannt.

The Doula Book Cover

The Doula Book

Das Buch „The Doula Book“  hält einiges an Wissen bereit und ist vor allem die Frauen geschrieben, die sich für Doula-Begleitung interessieren. Aber auch für Geburtshelferinnen und -begleiterinnen enthält das Buch Informatives.

Eine für mich sehr wichtige Erkenntnis hält dabei das Kapitel über „The Dublin Experience“ bereit. Darin geht es um eine Geburtsklinik in Dublin (Irland), die eine Standardversorgung durch unter Anderem Doulas anbieten. Kommt eine Schwangere mit Geburtsbeginn in die Klinik, wird ihr eine persönliche Geburtsbegleiterin zugeteilt. Dabei handelt es sich also nicht nur um eine medizinische 1-zu-1 Betreuung wie es im außerklinischen Bereich in Deutschland oft der Fall ist. Vielmehr sind die dort eingesetzten Doulas Laiinnen (was für ein Wort!), die nur eine sehr kurze Ausbildungsphase durchlaufen (Wochenendkurse). Ihnen werden die Grundlagen der Geburtsphysiologie beigebracht, Möglichkeiten zur Schmerzlinderung bei der Geburt (Massage, Aromatherapie, Atmen usw.) erklärt und Psychologie- und Kommunikationskenntnisse vermittelt.

Durch diese kontinuierliche Begleitung ab der Ankunft in der Klinik bis zum Ende der Geburt, ohne Pause, werden sehr gute statistische Ergebnisse erziehlt – aber auch die Zufriedenheit der Frauen sei wohl überdurchschnittlich hoch. Die Rate der Interventionen sei auch wesentlich geringer als des Landesdurchschnitt der westlichen Industrieländer verlauten lassen.

Noch ein weiterer, interessanter Aspekt ist die Feststellung des Geburtsstarts („Diagnose Of Labor“). Zur Diagnose dessen werden folgende Parameter herangezogen: kräftige, regelmäßige Wehentätigkeit im 8-10 Minuten Intervall, mindestens 30 bis 45 Sekunden jeweils. Der Muttermund muss eine Öffnung vorweisen und die Portio verstrichen sein und blutiger Schleim oder eine Blutung ist erkennbar. Erst, wenn dieser Geburtsstart festgestellt wurde, wird die Versicherung an die Frauen gegeben, dass sie innerhalb der nächsten maximal 12 Stunden gebären werden (wobei die meisten Frauen noch weit unter dieser Zeit bleiben). Diese Versicherung an die Frauen soll wohl helfen, sie zu motivieren und damit auch die Geburt angenehmer zu gestalten. Im Zweifelsfall wird meist kein Oxytocin-Tropf angehängt, sondern die Fruchtblase eröffnet. Dieses Vorgehen find ich einerseits interessant – bedenk es aber auch mit einem Stirnrunzeln. Darüber muss ich noch nachdenken.

Das Fazit dieses Buches für mich ist die Erkenntnis, wie nötig viele Frauen eine ununterbrochene Begleitung haben können (!). Wie hilfreich es sein kann, durch menschliche Wärme und die wirkliche Anwesenheit und Teilnahme einer zugewandten Frau – sei sie auch medizinischer / psychologischer Laie – die Geburt begünstigen können. Sowohl die psychischen als auch damit einhergehend körperlichen Vorgänge.

In der Ausbildung als Hebamme wird dieses Vorgehen leider utopisch bleiben – aber in der außerklinischen Geburtshilfe ist soetwas sicher oft noch leistbar.

Grüßend, Oona