Lebenszeichen #2

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Nachdem ich mich wieder ein bisschen erholt habe und wieder auf dem Dampfer bin, geht es hier mehr denn je weiter. Denn mein Abgang aus der Hebammenschule heißt für mich keinesfalls, dass meine Hebammenkarriere dahin ist. In gewisser Weise ist es gut, dass ich diese fast 6 Monate in die deutsche Ausbildung schnüffeln haben konnte. Ich kann jetzt Abstand nehmen von der damals fast schon schmerzhaften Sehnsucht danach, diese Arbeit zu machen.

Ich bin mir meines Wertes als Geburtshelferin jetzt bewusster denn je. Bis zum Beginn der Ausbildung gab es in mir immer einen Teil, der sich zurück gesetzt gefühlt hätte, hätte eine Frau nicht meine Hilfe gebraucht. Davon habe ich jetzt ein gutes Stück hinter mir gelassen, weil ich gesehen hab, wie falsch der darauf folgende Weg ist. Schwangeren, gebärenden und stillenden Frauen existieren nicht, damit Hebammen sie behandeln können. Andersherum wird ein Schuh draus: Hebammen und Geburtshelferinnen jeder Art gibt es ausschließlich, weil es Schwangere, Gebärende und Stillende gibt, die sich während dessen begleiten lassen wollen. Aus dieser Erkenntnis entwickelt sich die Bedeutung, die hinter dem Wort „Doula“ steht: Dienerin der Frau.

Diese Sicht der Dinge gibt auch die Möglichkeit, sich über die typischen Burnout-Hintergründe zu ergeben. Die Sucht, gebraucht zu werden, anerkannt zu werden und das damit einhergehende langsame Ausbrennen der Betroffenen.

Ich bin froh, wieder die Perspektive gewechselt zu haben. Und mir damit ganz viele Möglichkeiten eröffnet zu haben. Den Weg, Geburtshelferin zu werden gehe ich weiter. Und die Erlangung der Berufsbezeichnung „Hebamme“ wird dabei nur ein Schritt von vielen sein.

Und deshalb wird dieser Blog auch erhalten bleiben.

Ich danke euch für eure Anteilnahme! Das hat mir sehr gut getan.

Liebste Grüße, Oona

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  1. Liebe Oona,
    auch mir erging es Mitte des Jahres wie dir und ebenso habe ich den Traum abgebrochen, ihn vorerst hinter mir gelassen. Leider erschließen sich mir nicht neue Wege hin zu einer Geburtshelferin oder einer Doula, aber auch ich bin noch jung und weiß nicht, wohin mein Weg mich noch führen wird. Sehr gerne würde ich mich mit dir austauschen und vielleicht neue Erkenntnisse erlangen, denn all das lässt mich nicht los, auch wenn ich nun mittlerweile länger von dort weg bin als ich je dort arbeitete. Du bist herzlich eingeladen mir zu schreiben. Ich würde mich sehr freuen!
    Deine S.

  2. (Ganz am Rande, aber es soll eben doch nicht unrwähnt bleiben: Ich habe heute über einen Link an anderer Stelle hierhergefunden, gelesen und war ganz und gar begeistert. Du schreibst so schön. Deine (hier formulierten) Gedanken sind so schön, so ganz und gar… Ach, ein richtiges Wort fällt mir gar nicht ein und braucht es ja eigentlich auch nicht. Ich las heute so gern hier, dass ich mich schon auf Kommendes freue.
    Für Deine Zukunft, für Deinen Traum und Dein Herz wünsche ich Dir alles Liebe.)

    • Das ist aber ein schöner Kommentar. Ich nehm es mal als Liebeserklärung – jedenfalls fühlt es sich irgendwie so an. Das kann ich grad gut gebrauchen. Ich dank dir von Herzen :)

      Das erinnert mich daran, dass ich Leuten auch öfter sagen sollte, dass ich gut finde, was sie machen.

  3. über einen dummen, wohl eher wertvollen zufall habe ich nun zu dir gefunden und muss feststellen, dass wir uns aus einem bekannten hausgeburtforum wohl schon kennen…du heißt dort etwas anders, aber dein avatar ist gleich. ich mag es wie du schreibst, will selbst ja auch immer schon hebamme werden,…nun ist es so, dass ich deine vorstellung 1:1 auf mich übertragen kann, d.h. auch ich bin hochsensibel (ein wunder, dass ich die arbeit als co-mod in dem besagten forum bis heute sagen wir mal ausgehalten habe…). wenn ich an mein horror – praktikum in der klinischen geburtshilfe von vor 12 jahren denke, so frage ich mich, wie es sein kann, dass ich bis heute daran zu knacken habe, und mich trotz des zusätzlichen vorgeführtwerdens bei einem einstellungstest an einer hebammenschule im jahre 2007 immer noch nicht von meinem wunsch meiner berufung zu folgen und hebamme zu werden, abkommen mag, kann und will.

    nun geht auch meine zeit im forum zu ende. ich fühle mich auf der einen seite völlig fertig, kraftlos, benutzt, aber auf der anderen seite auch total befreit.

    und wieder bin ich an einem punkt, an dem ich vor fast 12 jahren schonmal war: hebamme werden und sein ist das eine und eigentlich will ich viel lieber für meine kinder da sein, als mich nochmal irgendeiner gestörten hierarchie bewegen, geschweige denn mich ihr unterwerfen zu müssen.

    ich mag nicht mehr.

    gerne würde ich mich zum thema einmal persönlich mit dir austauschen.

    danke für deine offenheit,
    in diesem sinne

    liebe grüße,

    ZwillingsMonde

  4. also nun bin ich schlauer: du bist offensichtlich nicht die frau aus dem forum, aber ihr schmückt euch beide mit dem schönen lebensbaum bild, welches wohl in der hebammenpraxis in dresden bühlau zu finden sein soll.

    schön!

    über einen kontakt würde ich mich aber trotzdem sehr freuen.

    glg,
    ZwillingsMonde

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