Die eigene Erfahrung am Steuer

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Gestern habe ich ein Youtube-Video einer Frau gesehen, deren Blog ich seit einiger Zeit verfolge. Sie hat ihre Tochter, ihr drittes Kind, zuhause allein in der Gebärwanne geboren (interessiert? Schaut mal hier: „Stand and Deliver„).

Während ich ihr zugeschaut hab wie ich sie ihre Geburt bearbeitet und Wehen veratmet, hab ich mich natürlich zurück versetzt in meine Geburten gefühlt. Mal davon abgesehen bleibt es ein fast unbegreifbares Wunder für mich, dass eine Frau ein Kind durch sich selbst aus die Welt bringen kann. Der Akt der Geburt bleibt für mich ein großes Naturereignis, begleitet von Staunen, Erfurcht und Demut.

Worauf ich aber hinaus will: während ich ihr zugeschaut habe, hatte ich das Bedürfnis danach ihr zu helfen. Sie zu retten, etwas was ihr die Arbeit erleichtert oder sie sogar für sie erledigt. Ich  merkte, wie ich während jeder Wehe mitfieberte und nach Anzeichen suchte, dass etwas nicht stimmt.

Das ist eine große Erkenntnis für mich.

Denn das ist vermutlich eine der Wurzeln, warum man als Geburtshelferin Unheil anrichten kann. Der Wunsch einzugreifen, zu helfen, zu erleichtern, abzuwenden. Das Schrillen falscher Alarmglocken und das Missverstehen der Nuancen dieses großen Naturschauspiels. Das fällt ja dem Menschen bekanntlich öfter mal schwer: zu verstehen, dass das eine existieren kann – genauso wie das andere, zeitgleich und gleichwürdig. Trotz Schmerz kann auch Freude, tiefe Berührung, Angst und Mut, Widerwille und Loslassen existieren.

Und dass man nicht das Recht hat, der Frau diese Erfahrungen zu stehlen oder abzuwenden. Es ist eine Gratwanderung zwischen Hilfe anbieten, aber nicht verunsichern und aufdrängen.

Diesen Grat zu begehen, darauf kommt es wohl an.

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Eine Antwort »

  1. Wirklich wundervoll auf den Punkt gebracht, worum es bei der Begleitung einer Geburt wirklich geht! Dem kann ich nur das altbekannte Zitat anfügen: „Man muss in der Geburtshilfe viel wissen, um wenig zu tun“.

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