Adipöse Hebammen?

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Heute wird es mal etwas persönlicher. Ich bin unsicher, wie persönlich ich im Rahmen dieses Blogs werden möchte und kann. Es geht ja trotz allem um ein gewisses Maß an Anonymität. Trotz allem brennt es mir auf dem Herzen. Und da dieser Blog ja eigentlich vor allem eine Ansammlung von Gedanken / Gefühlen bzgl. meiner Ausbildung als Hebamme dienen soll, und nicht so sehr als Infoverteiler, sollte ich wohl mal damit anfangen, was?

Gestern flatterte die monatliche Ausgabe der Hebammenzeitschrift in unser Häuschen. Thema für den Monat Januar – ja immerhin DER Monat der guten Vorsätze – Adipositas. Nun betrifft mich das Thema in einer Weise auch selbst, denn ich bin selbst übergewichtig. Seit einiger Zeit hab ich das Prinzip, nicht mehr in Frauenzeitschriften reinzuschauen – weil man vom omnipräsenten Thema „ABNEHMEN“ emotional erschlagen wird. Es ist ja nicht so, dass ich mich um die Wahrheiten rund um das Thema schlängeln will und ich die Augen davor verschließe.

Es ist einfach sehr deprimierend zu lesen von erhöhten Fehlgeburtsrisiken, Herz-Kreislauferkrankungen, Geburten die wesentlich schmerzhafter seien als die von normalgewichtigen Frauen, das Stillen klappe weniger gut und außerdem verdamme man durch das eigene Übergewicht während der Schwangerschaft und Stillzeit die eigenen Kinder auch zu diesem „Schicksal“.

Man verstehe mich nicht falsch – es mag sein, dass diese ganzen Aussagen Fakten sind (oder auch nicht, das kann ich einfach nicht beurteilen). Es wirkt auf mich, als wolle man an Gewichtung des Themas aufwiegen, was andere zu seicht anpacken. Aber ganz ehrlich: eine übergewichtige Schwangere wird sicher nicht durch das Wissen abnehmen, dass ihr Übergewicht Schwierigkeiten birgen kann. Denn die Ursachen für Adipositas liegen meiner Meinung nach ganz woanders als nur am Esstisch. Und dass es keine gesunde Körperform ist, das ist wohl den meisten bewusst.

Um jetzt den roten Faden nicht komplett zu verlieren: vor kurzer Zeit gab es im Hebrech-Forum für Ausbildungssuchende die Aussage, dass adipöse Schwangere in Kreißsälen oftmals schlechter behandelt werden. Oder zumindest hinter vorgehaltener Hand abfällige Bemerkungen fallen. Ich musste das bei einer meiner Geburten auch so erleben. Und für mich stellt sich immer wieder die Frage: wie ist es denn mit adipösen Hebammenschülerinnen?

8 Stunden über den Gang zu wetzen ist körperlich gesehen keine Selbstverständlichkeit für einen adipösen Menschen. Kann ich den Grad an Fitness, den ich dafür brauche, in so kurzer Zeit generieren? Ich habe durch den Alltag mit Kindern eine gewisse Ausdauer – aber reicht die denn? Was ist mit den von den Kliniken gestellten „Uniformen“ – in meiner Größe? Schulszenario Übung an den Mitschülerinnen – Bauchmassage … usw.

Für adipöse Menschen ist das Thema oft extrem schambehaftet. Unter anderem, weil Übergewicht oft einhergeht mit der Meinung, dass es gepaart mit Faulheit, mangelnder Disziplin und Willenskraft und sogar Dummheit auftritt. Und da kann man noch so reflektiert sein – irgendwie sickert es doch immer durch.

Wo ich gerade so darüber schreibe erinnere ich mich gerade an ein Video einer amerikanischen Schauspielerin (engl.). Auch, wenn es sicher den einen oder anderen Kritikpunkt an ihrem Pep-Talk geben könnte (wo gibt es den nicht), Aufmunterung hält das Video sicher bereit:

Und jetzt ihr! Ich bin gespannt, was ihr sagt. Erfahrungen, Gedanken, Ideen – bitte schmeißt alles in den Kommentar-Topf!

Nachdenklich, Oona

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  1. Hi,
    hast du deine Ausbildung noch gar nicht begonnen? oder nur den Theorieteil? denn ansonsten könntest du ja von deinen Erfahrungen bezüglich der Kleidung und der Anstrengung berichten *überleg*
    ich denke mal, so ein 8-stunden-laufen-tag ist für jeden anstrengend und wenn du den Tag mit deinen Kindern gebacken kriegst, dann müsstest du das ja auch schaffen. hilft außerdem bestimmt zumindest beim Gewicht halten ^.~ zumal du an so stressigen Tagen nicht viel Zeit zum Essen finden wirst.
    Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, mach Limonade draus!^^

    Und da auch nicht alle Schwestern gertenschlank sind, wird sich schon was zum Anziehen finden lassen.

    Aufmunternde Grüße
    Vp

    • Hallo Vesper,

      ich beginne die Ausbildung erst in diesem Frühjahr. Keine Sorge – ich mach Limonade draus ;) Aber ich mach mir eben häufig Gedanken über die Feinjustierung der Limonade – Gewürze oder nicht? Eis, lieber ein bisschen mehr Zucker oder eher Honig? Was ist eigentlich mit Agavendicksaft … usw. ;)

      Ich dank dir für deine aufmunternden Grüße :)

      • Wenn du viel Zucker oder Honig nimmst, dann trink aber nicht zuviel davon *grins* machst dir sonst blos wieder Sorgen… ^.^

        irgendwie ergibt sich eben alles mit der Zeit schon.

        „Ich musste das bei einer meiner Geburten auch so erleben.“ — das macht mich jetzt aber neugierig; erzählst du mir was da war?

        LG
        Vp

      • Du machst Limonade oder Zucker? Dann ist es doch aber nur Zitronensaft ;) Und wer sagt, dass ich es trinke und nicht verkaufe an unterzuckerte, verzweifelte Diabetiker?

        Was die eine Geburt angeht – das war meine einzige Krankenhausgeburt und die Hebamme hatte einige abfällige Bemerkungen über meinen Leibesumfang parat und die von ihr vermuteten Begebenheiten, die zu diesem geführt haben. Vermutlich dachte sie, ich krieg es eh nicht mit *zuck*

  2. Wer definiert „schön“? Es mag sein, dass die sog. Supermodels mit ihrem an Magersucht nicht nur grenzenden Untergewicht schön sind, aber ob sie dann auch gefallen? Anderen als den Fotografen? Übergewicht ist blöd, aber weder für die Partnerwahl letztentscheidend noch für die Wahl von „Geschäftspartnern“. Was die oder der Einzelne für angenehm empfindet ist wohl so unterschiedlich wie die Menschen sind. Freundlichkeit ist z.B. etwas, das ungemein anziehend macht.

  3. Oh ja, aber ich sehe in der Wahl einer Hebamme sehr wohl eine Geschäftspartnerin bei der es mehr als allgemein auf die Beziehung hinaus läuft. Und die angesprochenen Wahlaspekte sehe ich weit darüber hinaus in den allgemeinen Kriterien für „schön“ und „nicht schön“. Ich habe mir auch noch das Video angesehen. Amerikanisch halt, aber sehr gut gemacht. Wurde das jetzt deutlicher?

    • Unwesentlich, Wolf. Aber danke, dass du dich nochmal erklärt hast.

      Für mich ist eine Hebammen keine Geschäftspartnerin, sondern eine professionell-private Begleit- und Betreuungsperson.

  4. Hallo liebe Oona!
    Ich werde mich dieses Jahr auch bewerben :)
    Ich wollte dich mal fragen, wie denn jetzt deine Erfahrungen so sind? Oder kommt das später noch im Blog? (hab von vorne angefangen zu lesen und bin jetz erst hier)
    Jedenfalls bin ich leider auch etwas übergewichtig und hab auch Angst, dass ich in der Ausbildung von den Schülerinnen und Lehrhebammen gehänselt werde.
    Würde mich freuen, wenn du mir von deinen Erfahrungen berichten würdest!
    Ganz liebe Grüße und alles Liebe dir!
    Natalie

    • Hallo Natalie,

      meine Erfahrungen bisher sind eher gut. Ich habe keine Anfeidungen mir gegenüber erleben müssen bisher. Klar begegnen einem die einen oder anderen Vorurteile indirekt, wenn über andere gesprochen wird. Ich kann im Nachhinein sagen, dass ich mir viel zu viele Gedanken im Vorfeld darüber gemacht hab. Zumindest in meiner Schule ist das absolut nicht nötig. Und wenn sie dich nehmen, dann werden sie auch dahinter stehen.

      Alles erdenklich Gute wünsch ich dir!

  5. Pingback: „Weil ich ein starkes Mädchen bin, Schatz…“ « Traumberuf Hebamme

  6. wie ich bei diesem thema mitfuehlen kann. ich bin keine hebamme spiele aber mit dem gedanken mich fuer die ausbildung zu bewerben. bin selbst sehr adipoes.
    was mich in diesem blog ansprach ist der risikofaktor adipositas fuer schwangere. mein kleiner ist nun fast 5 monate alt, und direkt beim ersten arztbesuch waehrend der schwangerschaft wurde mir panik gemacht. ich hatte das gefuehl als waehre ich so abstohsend das die aerzte mich nichtmal anfassen konnten um die hoehe der gebaermutter zu bestimmen. wurde abgewimmelt zu anderen kollegen und war da direkt „an der physicalisch machbaren grenze angelangt“ (worte des arztes) gefolgt von „abgrundtief schlecht“ (ultraschalmoeglichkeiten) neben der fetten bauchschicht lag mein sohn mit dem ruecken vorn zeigte nur seinen popo und ich hatte ne vorderwand plazenta, bei jedem ultraschal ging ich weinend nach hause, weil sich ueber die schlechten bedingungen fuer den ultraschal aufgeregt wurde, er war einfach nicht zu sehen, im mutterpass standen dann aber doch alle noetigen messungen.
    ich gab die mediziner auf, hatte super tolle hebammen die mich immerwieder bestaerkten und eine traumhafte hausgeburt.

    beim letzten arztbesuch hiess es ich waehre riskopatienten, haette stoffwechselstoerungen (nie diagnostisiert), blutdruckmessungen wurden manipuliert damit sie hoehr sind… durch meine hebammen wusste ich wie ich medizinisch abgerechnet wurde und konnte der behandlung wiedersprechen. sorry, ich schweife ab. zum schluss sagte die aerztin nurnoch, das es halt manchmal solch risikopatienten wie mich geben muss um zu beweisen das geburt und schwangerschaft was ganz normales sind. :) meine schwangerschaft war perfect, keiner lei risiko darauf erkennbar (auser statistisch in eine risikogruppe gedraengt worden zu sein) die geburt ein traum, ohne schmerzen, ruck-zuck geboren mit 45min geburtswehen. so schnell das nichmal Doula und Hebammen es zu uns geschaft haben. Das hat mir einiges an positiver wahrnehmung und vorallem wertschaetzung fuer meinen koerper gelehrt.
    dieser extrem adipoese koerper von 160kg/1.78m ueber den soviel negatives gesagt wird, auf grund dessen die menschlichen eigenschaften nicht von relefanz sind. kann bessere leistungen bringen als der mancher normalgewichtiger.

    es ist einfach erschreckend wie abwertend die deutsche gesellschaft ist, das betrifft leider alle randgruppen. diese muessen sich in jeglichen bereichen staerker beweisen und oftmals haerter arbeiten und besserer leistungen bringen um akkzeptiert zu werden als die „optisch akkzeptierten gesellschaftlich attrativeren“ mitmenschen.

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