Gratis Tütchen beim Kinderarzt

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Ganz unabhängig davon, dass ich mich als eine “Lactivistin” bezeichnen würde – also eine Verfechterin des Stillens – mal ein Paar Worte jenseits von der Grundsatzdebatte Stillen vs. Formula. Oder vielleicht nicht ganz so weit abseits davon.

Über einen Link bin ich auf diesen Artikel auf taz.de gekommen. Er prangert öffentlich an, wofür sich viele Menschen schon seit Jahren einsetzen. Die Kritik an den Werbemaschen der großen Industrie-Konzerne, die für Muttermilchersatzprodukte werben, wird trotzdem immer wieder mit Augenrollen quittiert. Wer sich für das Stillen stark macht und aggressive Werbefeldzüge kritisiert wirkt auf die “Welt da draußen” oft der vorsitzende im Schachverein, der von früh bis spät über sein Lieblingsspiel lamentiert.

Schade, dass auch in der “Fachwelt” eine breite Akzeptanz der Werbemaschen herrscht und man sich vieler orts gern mal den einen oder anderen Hipp- oder Nestlévertreter einläd, um eine Fachfortbildung zu halten. Schließlich haben die großen Firmen inzwischen Forschungsinstitute gegründet, die die gewonnen (oder erbastelten) Erkenntnisse dann auch unter die Leute bringen wollen. Mit Vorliebe werden dann auf solchen Veranstaltungen auch Gratisproben, Infobroschüren oder ein Visitenkärtchen ausgetauscht. Natürlich alles im Namen der Gesundheit des Babies.

Ich kann jedenfalls nur hoffen, dass die Branche mal einen Dämpfer erfährt indem aggressive Werbeinitiativen wie das Verschicken von Gratisproben oder Formula-Werbung mit dem Bild einer Stillenden einzuleiten strenger beobachtet werden und die Reglementierung auch durch gesetzt wird.

Auch, wenn das vermutlich ein schöner Traum bleiben wird. Schließlich sind die großen Unternehmen dabei, mit ihren Einnahmen kräftig in die Steuerkasse einzuzahlen. Da wollen wir doch lieber mal doch nicht so genau hingucken … Naja, und zur Not geht immer eine Spende an irgendein wohltätiges Werk.

Kurzer Hilfeaufruf

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Der Sohn einer Bekannten, der mit einer Zwerchfellhernie geboren wurde, ist vor Kurzem  im Alter von 2 Jahren gestorben. Während seines kurzen Lebens hat er viele Eingriffe und Behandlungen ertragen (müssen). Es war trotzdem ein glückliches Kind.

Um einen Grabstein bezahlen zu können, hat sie ihren Wunsch bei einer Sparkassen-Aktion angemeldet und hofft nun auf so viele Klicks wie möglich, um zu gewinnen. Es ist eine elende Werbeveranstaltung, aber trotzdem möchte ich das Ziel unterstützen. Ihr vielleicht auch?

Vom Pferd gefallen

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Jetzt habe ich schon einen Monat nicht mehr geblogt fällt mir gerade auf. Aber eine regelmäßige Bloggerin war ich ja noch nie.

Meine Abwesenheit mag daran liegen, dass ich in eine Sinnkrise gestolpert bin. Wie immer in Sinnkrisen bröckelt alles zusammen, man verbrennt zur eignenen Asche um dann wie ein Phönix aus ihr wieder geboren zu werden. Ein großer Scherbenhaufen bildet das eigene Herzchen – schmerzhaft und beängstigend – und wunderbar frei für Neues. Es ist viel Leere in mir, die erschreckend und beflügelnd zugleich sein kann. Oder abwechselnd in Abständen von Stunden.

In der Zwischenzeit, bis mein Studium beginnt, probiere ich etwas Neues aus. Dieses Mal ist es Weihnachtsdeko verkaufen. Das ist zum einen auf eine seltsame Weise befriedigend, weil ich meine Kleinmädchenträume vom hinter der Plaste-Kasse stehen befriedige. Die Kasse bingt, ploppt, klackt und schwingt auf. Andererseits ist es ein hartes Metier – meine Füße fühlen sich seit zwei Wochen wie klumpige, schmerzende Etwasse an. Die Stimmung im Team ist eher hart als herzlich und es herrscht ein ruppiges Miteinander. Ständig strömen Reiche oder Möchtegernreiche in die Läden und kaufen billiges Glitzerzeug für teure Preise. Am Ende des Monats wird mit Kreditkarte bezahlt, das normale Konto wird nur noch fürs Essenkaufen angezapft.

Ich denke dieser Tage viel über Konsum nach. Während ich ungelogen Kilo um Kilo leere Kartons die Treppen rauf und runter trage kommt ein Unwille in mir auf, weiter diesen ganzen Affentanz mit zu machen. Weihnachtsbaumkugeln – jedes Jahr neue, weil die roten von letztem Jahr gehen auf keinen Fall mehr. Dieses Jahr muss es silber sein. Ein Symbol dafür, dass man Dinge kauft, die man nicht braucht mit Geld, das man nicht hat. Zu einem Preis, den man unmöglich zahlen sollte. Jeden Tag geht man malochen, arbeitet mehr Stunden als man sollte und verbringt weniger Zeit mit den geliebten Dingen als man möchte – um silberne Dekoelemente zu kaufen. Die trägt man dann in die eigene Höhle, dekoriert die und schon ist der Schmerz über die 50 Stunden Arbeitswoche und die Sehnsucht nach Einfachheit, Geborgenheit und Erfüllung wieder ein bisschen leiser.

Dieser Tage inspirieren mich mal wieder einmal Blogs:

http://www.theminimalistmom.com/ – mit dem Untertitel “a rich life with less stuff”. Gedanken über Konsum und wie man sich davon löst inklusive Tipps – auf angenehme Art.

http://growingflowers.wordpress.com/ – die “wachsenden Blümchen” – immer wieder. Meine Lieblingshebamme und fortwährende Inspiration was mein Lebensgefühl angeht. Besinnung, Demut, Freude am Leben und Liebe zu den Dingen – und Menschen. Innehalten, hinhören und -schauen. Durchatmen und es einfach durch einen hindurch fließen lassen. Diese Frau war schon mehr als einmal Hebamme für mich und eine geistigen Kinder.

Nun … seit kurz nach meiner Kündigung schleiche ich um die Entscheidung, mich als Doula ausbilden zu lassen, wie eine Katze um einen Teller Frischfleisch.

Zum einen ist da die Begeisterung für das Thema – ungebrochen und noch immer da. Ich kann mir einfach kein Leben ohne die Arbeit mit Frauen in dieser Lebensphase vorstellen. Zum anderen sind da alte Sorgen – zu jung zu sein, noch nicht perfekt im professionellen Umgang mit Menschen und Situationen zu sein, noch zu wenig zu wissen, ohne Auto weniger mobil und damit erreichbar zu sein … Die Liste ist beliebig erweiterbar.

Ganz neu dagegen ist die Überlegung, vielleicht doch nicht mehr beruflich in diese Richtung zu steuern. Wie eine Reitende , die vom Pferd gefallen ist. Pferde sind noch immer faszinierende, großartige Tiere. Und aus der Ferne bewundere ich sie. Ich beneide an mir vorbereitende Menschen und wünschte, ich könnte mich auch wieder trauen. Aber ich bringe es nicht über mich, einem Pferd näher zu kommen. Auch nur daran zu denken, mir auch nur eine Vorstellung von mir im Stall zu machen.

Ich will warten, bis ich wieder bereit bin für Pferde. Und wenn dieser Tag nie kommt? Oder ich ihn verpasse? Oder – weggespült vom Strom der leeren, “arbeitenden Bevölkerung” – mich einreihe in das Leben für Notwendigkeiten? Schließlich hat meine Familie finanzielle Bedürfnisse. Wie vertretbar ist es, einer inneren Stimme gegen alle Widerstände hinterher zu laufen? Und wie vertretbar ist es, ihr nicht zu folgen?

Das erinnert mich an die Göttin Hekate, die unter Anderem die Göttin der Schweidewege ist. Früher standen wohl immer wieder kleine Altare von ihr neben den Wegen und die Leute haben ihr Blumen, Früchte oder Ähnliches geopfert, wenn sie auf Reise waren. Nun denn … vielleicht nimmt sie ja die Kiste mit den 6 neuen Weingläsern, die mir beim Befüllen der Regale vorgestern runtergefallen sind, als Opfer.

(mein letzter Post ist durch irgendwelche Verwirrungen einfach weg. Hmpf. Aber ich denke, ich hab die Quintessenz wieder reingebracht.)

Die stille Botschaft

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Die großen Aussagen, die wir während der Begleitung von Frauen während ihrer Geburt machen wollen ist: du bist sicher, du bist umsorgt, du bist respektiert – ganz egal, wie die Begleitumstände aussagen. Viele Künste machen die Geburtsbegleitung aus, diese Aussagen einer gebärenden Frau zu vermitteln ist eine davon. Und ein großer Teilaspekt davon ist die Körpersprache und wie wir uns der Frau gegenüber nähern – eine stille Botschaft an sie in einer Situation, wo die Atmosphäre einer der wichtigsten Geburtshelferinnen ist.

Dabei ist es wichtig, dass man sich zu jeder Zeit bewusst ist, dass man zu dieser Zeit an diesem Ort anwesend ist nur aus dem einen Zweck: dieser Frau zur Verfügung zu stehen und ihr zu dienen, sodass sie ihr Kind auf diese Welt bringen kann. Und zwar ausschließlich so, wie es die Frau braucht. Man bietet sich und die eigenen Ressourcen jemandem dar. Es ist eine demütige Arbeit, die man tut.

Meine Körpersprache soll das spiegeln. Ich will mein Körperlevel unter dem der Frau halten, mich im Raum positionieren in einer Form, die meine Bereitschaft aktiv zu werden zeigt und zwar genau dann, wenn sie es möchte und bis dahin zurückhaltendes Abwarten bedeuten. Ich kann ihr Augenkontakt bieten, ein sicheres Lächeln ohne Mitleid aber mit Mitgefühl.

Um meine Körpersprache zu beherrschen ist es wichtig, sich der eigenen Stimmung bewusst zu werden, bevor man zu einer Frau kommt. Dazu kann sich jede andere Werkzeuge suchen. Ich mag es aber, kurz vorher einmal tief durchzuatmen und mit meinem Ausatmen mein Ego und Stimmung gehen zu lassen und leer und offen zu werden.

Auch die Beobachtung der eigenen Körpersprache kann hilfreich sein. Wann reagiere ich wie, wie fühle ich mich, wenn ich mich bewusst anders positioniere? Wie geht es mir, wenn andere Leute eine gewisse Haltung einnehmen? Versuch macht kluch.

Das ist übrigens ein Grund, weshalb ich nicht daran glaube, dass man Geburtsbegleitung hauptberuflich und auf Dauer machen kann/sollte. Es ist einfach sehr anstrengend und emotional absolut fordernd. Ich bin mir im Übrigen im Klaren darüber, dass das im Alltag nicht immer so zu handhaben ist. Aber hey: shoot for the stars!

Merkt man, dass ich wieder mal eine spirituelle Phase habe? ;)

Geburtsvorbereitung mit dem “Inneren Team”

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Geburtsvorbereitung mit dem “Inneren Team”

Heute mal etwas aus der Psychologie-Ecke: ein Psychologe mit sehr guten Ansätzen ist Friedemann Schulz von Thun. Von ihm stammt auch das Konzept des “Inneren Teams”, das ich für ausgesprochen geeignet halte für beispielsweise Geburtsvorbereitung einer Schwangeren. Sei es die Eigenvorbereitung, die beraterische Vorbereitung oder auch beispielweise in Vorbereitung auf eine Folgegeburt nach einer traumatischen vorangegangenen Geburt. Und natürlich zu vielen anderen Gelegenheiten, die hier aber erstmal keine Rolle spielen sollen.

“Das Innere Team”

Die Umschreibung des “Inneren Teams” erklärt ein Persönlichkeitsmodell des Menschen. Dabei stellen wir uns vor, dass der Mensch nicht ein starres Wesen ist – quasi wie ein Stück Ton, homogen und in einer einheit vorhanden. Vielmehr gibt es verschiedenste Anteile in einem, die gemeinschaftlich in veränderlichen Anteilen an Entscheidungsprozessen beteiligt sind. Man kann sich das wie einen Raum vorstellen (die Persönlichkeit, also die Gesamtheit), in dem verschiedene Leute stehen. Diese Leute sind unsere Anteile und repräsentieren Gedankenströmungen. So ist z.B. kein Mensch “Die Selbstbewusste” oder “Die Ängstliche”, sondern trägt in sich viele verschiedene Anteile, wovon vielleicht die “Selbstbewusste” oder die “Ängstliche” nur die am stärksten Ausgeprägte ist.

Das Modell beinhaltet auch die Annahme, dass diese ganzen Anteile in einem unter einem Oberhaupt versammelt sind – auch “Ich” genannt. Er ist quasi wie ein Teamleiter, hört alle Anteile an (aktiv oder passiv) und vermittelt dann nach eine Verhaltensstrategie.

Nun kann eine Teamsitzung dieser Anteile und dem Oberhaupt (dem “Ich”) so ablaufen, dass alle Anteile (“Teammitglieder”) gehört werden und ihre Sorgen und Meinungen ernst genommen werden. Oder es können welche unterdrückt werden, andere im Stillen heimlich die Bemühungen des stärksten boykottieren usw.

Es ist also ratsam, um eine von allen “Teammitgliedern” getragene Entscheidung zu fällen, alle Anteile anzuhören. Nur so lässt sich eine authentische, von einem selbst voll unterstütze Entscheidung treffen, die nicht von innen boykottiert wird. Und somit sehr kraftvoll sein kann.

Anwendungsgebiet Geburtsvorbereitung

Mit Geburtsvorbereitung ist in diesem Artikel vor allem die eigene, innere und emotionale Vorbereitung auf die Geburt gemeint. Im Laufe einer Schwangerschaft laufen verschiedene innere Prozesse ab, die meißt vom aktuellen Zustand gesteuert sind, die auf die innere Bereitschaft, ein Kind zu gebären hinsteuern. Im ersten Trimenon sind andere Prozesse aktuell als im dritten, sie bauen außerdem aufeinander auf.

Um das Ganze mal zu konkretisieren ein Beispiel:
Lena G. erwartet ihr zweites Kind. Die erste Geburt hat sie als traumatisch erlebt. Jetzt ist sie in der 25. Schwangerschaftswoche und traut sich erst allmählich an die Entscheidung heran, wie sie ihr zweites Kind auf die Welt bringen will.

Eigentlich ist sie der Meinung, dass eine natürliche Geburt das Beste ist. Aber sie hat Angst vor den Schmerzen und dem Kontrollverlust, wie sie es bei der ersten Geburt erlebt hat.

Lena ist hin und hergezogen zwischen ihren verschiedenen Anteilen. Es gibt “die Ängstliche”, die vor den zum jetztigen Zeitpunkt unausweichlich scheinenden Schmerzen auf sie zu kommen. Auch davor, die Kontrolle über sich zu verlieren und zum Beispiel wie während der ersten Geburt lautes Tönen nicht unterdrücken zu können. Hinter der “Ängstlichen” versteckt sich auch “die Schamhafte”: sie fürchtet, dass ihre Laute lächerlich klingen und während der letzten Geburt, erinnert sie sich, wurden ihre Geräusche von ihrer Freundin, die dabei war, auch manchmal belacht. Es gibt “die Angepasste”, die glaubt, dass sie sich nicht so anstellen sollte – Kinderkriegen ist nuneinmal so, da muss man durch. Das ist der Preis dafür, Kinder zu haben. Und auch, dass die Art der Geburt ja nun nicht so eine große Rolle spielt – schließlich kommt es auf das Ergebnis an: Kind und Mutter sind wohlauf. Die “Natürliche” setzt sich für die natürliche Geburt ein. Sie findet, Kinder sollten so geboren werden – schließlich ist es für die Mutter als auch das Kind das beste und gesündeste. Von den vielen Vorteilen weiß sie auch. Dahinter versteckt sich noch der Anteil “die Mutter”, die nur den bestmöglichen Start für ihr Kind möchte. Und es gibt auch die “Revolutionäre”, die sich nach dem Geburtserlebnis sehnt. Sie hat schon oft gehört, dass die Geburt das Schönste Ereignis im Leben einer Frau sein kann und wünscht sich, verlangt geradezu, dieses Erlebnis auch zu haben und die Stärke daraus mitzunehmen.

Wenn alle Anteile gesichtet und identifiziert werden, kann bereits ein Lösungsprozess in Lena G. eintreten. Sie weiß dann, was das für Anteile in ihr sind und sie kann auch ausmachen, wie stark diese Anteile jeweilig sind. Denn die Gewichtung der Teammitglieder ist natürlich nicht immer gleich. So kann sie schrittweise für sich ausmachen, welche Anteile in ihr am stärksten sind und vielleicht sogar zu einer Entscheidung finden. Damit ihre Entscheidung authentisch und stark ist, muss sie auch die schwächeren Anteile in ihr “befrieden” – auch diese ernst nehmen und gegebenenfalls etwas in ihre Entscheidung einbauen (sei es auch nur eine innere Haltung), die auch diese Teile befriedigen, oder zumindest dafür sorgen, dass die Entscheidung des Inneren Teams nicht von diesen Anteilen boykottiert werden.

Nur dann ist sie in der Lage, eine solche Entscheidung durch schwierige Phasen zu tragen, zu verteidigen und durch zu ziehen. Beispielsweise während der Geburt selbst, wenn eventuell schmerzhafte Wehen dafür sorgen, dass sie aufgeben will. Sie ist dann eher in der Lage, an ihrer Entscheidung fest zu halten und Wege zu finden, wie sie trotzdem gut durch die Geburt kommt.

Weiterführendes:

Wikipedia über “das Innere Team”

Das Innere Team von Friedemann Schulz von Thun – Theoretische Darstellung und Praxistransfer

Das Innere Team in Aktion – Praktische Arbeit mit dem Modell

Habt ihr bereits Erfahrung damit gemacht? Vielleicht auch nicht in dem Bewusstsein, dass ein gewisser Herr Schulz von Thun das schon benannt hat (so ging es mir)? Könnt ihr euch das in der Praxis vorstellen?

Lebenszeichen #2

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Nachdem ich mich wieder ein bisschen erholt habe und wieder auf dem Dampfer bin, geht es hier mehr denn je weiter. Denn mein Abgang aus der Hebammenschule heißt für mich keinesfalls, dass meine Hebammenkarriere dahin ist. In gewisser Weise ist es gut, dass ich diese fast 6 Monate in die deutsche Ausbildung schnüffeln haben konnte. Ich kann jetzt Abstand nehmen von der damals fast schon schmerzhaften Sehnsucht danach, diese Arbeit zu machen.

Ich bin mir meines Wertes als Geburtshelferin jetzt bewusster denn je. Bis zum Beginn der Ausbildung gab es in mir immer einen Teil, der sich zurück gesetzt gefühlt hätte, hätte eine Frau nicht meine Hilfe gebraucht. Davon habe ich jetzt ein gutes Stück hinter mir gelassen, weil ich gesehen hab, wie falsch der darauf folgende Weg ist. Schwangeren, gebärenden und stillenden Frauen existieren nicht, damit Hebammen sie behandeln können. Andersherum wird ein Schuh draus: Hebammen und Geburtshelferinnen jeder Art gibt es ausschließlich, weil es Schwangere, Gebärende und Stillende gibt, die sich während dessen begleiten lassen wollen. Aus dieser Erkenntnis entwickelt sich die Bedeutung, die hinter dem Wort “Doula” steht: Dienerin der Frau.

Diese Sicht der Dinge gibt auch die Möglichkeit, sich über die typischen Burnout-Hintergründe zu ergeben. Die Sucht, gebraucht zu werden, anerkannt zu werden und das damit einhergehende langsame Ausbrennen der Betroffenen.

Ich bin froh, wieder die Perspektive gewechselt zu haben. Und mir damit ganz viele Möglichkeiten eröffnet zu haben. Den Weg, Geburtshelferin zu werden gehe ich weiter. Und die Erlangung der Berufsbezeichnung “Hebamme” wird dabei nur ein Schritt von vielen sein.

Und deshalb wird dieser Blog auch erhalten bleiben.

Ich danke euch für eure Anteilnahme! Das hat mir sehr gut getan.

Liebste Grüße, Oona